Kinemic

Gestensteuerung in der Industrie

Computer und Augmented-Reality-Brillen mit Gesten steuern? Notizen in der Luft verfassen? Was bis vor kurzem noch nach Zukunftsmusik klang, wird nun durch das Team von Kinemic Wirklichkeit. In der Runde 1/2016 bewarb sich Christoph Amma mit seinem Team aus Karlsruhe für den „Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“. 2017 wurde die Idee von Kinemic im Rahmen der CeBIT in Hannover ausgezeichnet.

„Die Devise lautet: Durchhalten, alle anderen kochen auch nur mit Wasser“

Interview mit Dr. Christoph Amma, Mitgründer und Geschäftsführer der Kinemic GmbH

Herr Amma, industrielle Prozesse durch Gestensteuerung verbessern. Welche Idee steckt dahinter?

Die grundlegende Fragestellung lautete: Wie können wir es ermöglichen, Computer zu bedienen oder Notizen zu mache, ohne dafür den gewohnten Arbeitsablauf unterbrechen zu müssen? Die Antwort darauf ist eine Software zur Gestensteuerung, die beispielsweise auch die einfache Bedienung von Augmented-Reality-Brillen ermöglicht. Mithilfe von Wearables, wie zum Beispiel mit Sensoren ausgestatteten Armbändern, werden Gesten erfasst und durch die von uns entwickelte Software an die zu bedienenden Geräte weitergegeben.

Was genau macht Ihre Idee dabei so einzigartig?

Während andere Software-Anbieter oft auf ein visuelles Tracking durch Kameras setzen und deshalb nicht so robust sind und viel Rechenkapazität benötigen, verarbeitet unsere Software nur die von den Wearables generierten Bewegungsdaten. Zudem kann unsere ‚Software-only‘-Lösung auf unterschiedlichen Geräten eingesetzt werden.  Unsere Steuerung ist vor allem im industriellen Bereich interessant, wo manuelle Tätigkeiten durch die gelegentliche Nutzung eines technischen Systems unterbrochen werden. Mit unserer Technologie muss der Arbeiter kein Gerät mehr in die Hand nehmen, sondern kann freihändig steuern, was unter anderem beim Tragen von Arbeitshandschuhen oder auch in Reinräumen von großem Vorteil ist.

Was empfanden Sie beim Gründen als besonders herausfordernd?

Die größte Herausforderung bestand vor allem darin, von einem wissenschaftlichen Ansatz zu einem marktreifen Produkt zu gelangen. Das ist ein großer Schritt, den man leicht unterschätzt, wenn man aus der Forschung kommt. Der Prozess von einer Idee bis hin zum Produkt dauert meist länger als angenommen.

Welche Tipps können Sie aus eigener Erfahrung an Gründungsinteressierte weitergeben?

Zu allererst ist es wichtig, ein starkes Team zu haben, mit dem man offen Probleme angehen kann und in dem eine konstruktive Feedback-Kultur herrscht. Zudem sollte sich das Team gegenseitig herausfordern und zu neuen Höchstleistungen anspornen. Damit ist ein guter Grundstein gelegt. Wichtig ist aber auch: Ruhe bewahren und durchhalten. Gerade zu Beginn kommen immer wieder andere Firmen oder neue Start-ups mit ähnlichen Ideen, die einen erstmal in eine Abwehrhaltung verfallen lassen. Da sollte man sich nicht verrückt machen lassen und fokussiert an den eigenen Ideen und Zielen arbeiten.

Weitere Informationen unter:
www.kinemic.com