Markus Becker, EcoIntense "Man darf nie zufrieden sein"
Die Gründer der EcoIntense: Markus Becker, Hardy Menzel, Sebastian Mönnich (von links nach rechts)
Herr Becker, Sie haben erst 2007 beim Vorläufer-Modell des heutigen Gründerwettbewerbs, dem "Gründerwettbewerb – Mit Multimedia erfolgreich starten", einen der Hauptpreise gewonnen. Wie wichtig sind solche Wettbewerbe für junge Neugründer, gerade auch bei den ersten Schritten auf dem Weg zum eigenen Unternehmen?
Wenn man an einem Wettbewerb teilnimmt, nutzt man grundsätzlich die Chance, den Businessplan den kritischen Augen mehrerer erfahrener Juroren vorzulegen. Von immenser Wichtigkeit ist der Lernprozess, der durch das Gutachten dieser Juroren angestoßen wird. Im Anschluss sollte man sich darüber klar werden, wie man die Kritikpunkte und Hinweise durch die Jury umsetzt und sich auch trauen, eben NICHT alle krampfhaft integrieren zu wollen. Denn nur so wird man sich noch einmal selbst darüber klar, welche Vision man für das eigene Unternehmen hat und wie man sie verteidigen und begründen möchte. Denn wer versucht, alle Anmerkungen von Außenstehenden umzusetzen, weicht oft von seinen eigenen Zielsetzungen zu sehr ab und kann auch nicht hinter dem stehen, was er sich da vorgenommen hat.
Auch ein echter Vorteil bei der Teilnahme an Wettbewerben: Man zeigt seine Idee in einem sehr frühen Stadium schon verhältnismäßig vielen und unterschiedlichen Menschen. Jeder von ihnen geht anders kritisch an die Idee heran und liefert wichtige Impulse. Außerdem baut man so oft schon ein Netzwerk auf, das der Schlüssel zum späteren Erfolg sein kann. Je mehr Menschen von einem Unternehmen wissen, desto schneller multipliziert sich dessen Bekanntheit. Nicht zuletzt auch durch die breite Öffentlichkeit, die ein Wettbewerb wie der „Gründerwettbewerb – IKT Innovativ“ erreichen kann.
Bei der Teilnahme an Wettbewerben sollte man aber auch kritisch sein: Wo lohnt sich die Teilnahme für mich wirklich, wo erhalte ich entsprechende Anregungen, aus welcher Teilnahme ziehe ich einen Nutzen auch dann, wenn ich nicht zu den Gewinnern gehören werde? Denn eine Wettbewerbsteilnahme bindet immer auch wertvolle Ressourcen. Beim Gründerwettbewerb ist der Aufwand sehr überschaubar, v.a. verglichen mit dem Output am Ende. Denn man erhält auf jeden Fall Feedback zu seiner eingereichten Idee, und damit kann man immer weiter arbeiten.
Sie bieten eine Software an, mit deren Hilfe Unternehmen nachhaltiger wirtschaften können – diese Idee hat nun einen eigenen Sonderpreis zum Thema "Green IKT" motiviert. Wie schätzen sie Green IKT gerade für Neugründer ein und warum ist dieser Trend in der Wirtschaft generell so wichtig?
Die Energiepreise steigen immer weiter, die gesetzlichen Anforderungen für Unternehmen werden in diesen Bereichen immer komplexer. Betriebe müssen Strom, Gas und sonstige Ressourcen immer sparsamer einsetzen. Daneben müssen verschiedenste Auflagen, z.B. für die Abfallbeseitigung, erfüllt werden. Managementsysteme müssen ständig weiterentwickelt werden. Außerdem können es sich auch gerade mittelständische Unternehmen in der heutigen Zeit nicht mehr erlauben, bestimmte Zertifikate in diesen Themenfeldern nicht nachzuweisen, da sie ansonsten aus der Zuliefererkette herausfallen. Alleine in Deutschland kam es in den letzten Jahren zu einer Zunahme von über 20% pro Jahr an zertifizierten Unternehmen, die aktives Umweltmanagement betreiben. Als es in den letzten Jahrzenten um Kostenreduzierung ging, hat man in erster Linie versucht, Personalkosten kritisch zu betrachten, um dort Einsparpotenziale zu identifizieren. Gleichzeitig haben sich aber die Kosten für Ressourcen ständig erhöht. Nach jetzigem Kenntnisstand wird sich diese Kostenexplosion in den kommenden Jahren auch noch weiter zuspitzen. Um diese Thematik aus unternehmerischer Sicht in den Griff zu bekommen, ist es notwendig, Maßnahmen des Umweltmanagements direkt in die Produktionsprozesse zu integrieren. Und genau diese Maßnahmen können in der heutigen Zeit nur noch mit professionellen IKT-Lösungen realisiert werden.
Ganz konkret: Welche Art von Gründungsideen erwarten Sie für den Sonderpreis? In welche Richtung sollten die Ideenskizzen gehen?
Green IKT ist ein sehr weites und spannendes Feld, da es sowohl innovative Softwarelösungen als auch Hardwarelösungen betreffen kann. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es im B2B-Umfeld vor allem auf die Flexibilität eines Standardprodukts ankommt, dass sich immer wieder an ganz spezifischen Unternehmensanforderungen ausrichten kann. Sowohl Software als auch Hardware müssen sich in die bereits vorhandene IT-Struktur integrieren lassen. Innovative Software-Werkzeuge zur Umweltbilanzierung, zur Weiterentwicklung oder Integration von Umweltdaten in bestehende ERP-Systeme können genauso spannend sein, wie die Entwicklung von Applikationen für mobile Endgeräte, um Daten wie z.B. Ressourcenverbräuche direkt am Entstehungsort automatisiert aufzunehmen.
Und zum Schluss: Was würden Sie Neugründern raten, die genauso erfolgreich werden möchten wie Sie?
Die EcoIntense GmbH befindet sich inzwischen in ihrem vierten Jahr, und wir wachsen langsam aus dem Gründerstadium heraus. Jedoch darf man sich nie mit dem Erreichten zufrieden geben und muss jeden Tag an der Weiterentwicklung des Unternehmens arbeiten. Bei Ratschlägen halte ich mich häufig zurück, denn man sollte sich jedes Projekt ganz genau anschauen, um zu entscheiden, was dafür individuell am besten ist. Ich kann lediglich zwei Ratschläge geben, die, wie ich denke, auf alle Gründungsprojekte zutreffen: Man sollte so früh wie möglich mit seiner Idee oder seinem Produkt raus auf die Straße gehen und es möglichen Kunden vorstellen. Ich halte es für extrem wichtig, so früh wie möglich das Feedback von Kunden oder Anwendern zu erhalten und diese Erkenntnisse in die weitere Produktentwicklung mit einfließen zu lassen. Manchmal ist es zwar schmerzhaft, dass die eigene Idee möglicherweise so viele Kritiker findet, aber je früher man diese Hinweise bekommt, umso besser ist es für die weitere Produktentwicklung. Und als Zweites haben wir bei EcoIntense von Beginn an ein Zitat einer berühmten Persönlichkeit im Büro hängen: „Der größte Fehler, den die Menschen im Leben begehen, ist, dass sie nicht versuchen, von dem zu leben, was ihnen am meisten Spaß macht.“ Diese beiden Ratschläge kann ich nur jedem Neugründer mit auf den Weg geben und ihnen ganz viel Durchsetzungskraft und Erfolg wünschen.


